Maverick, Alaska, Hockey Mom*

04.10.2008 | Kategorie: Fernsehdebatten

Gestern Nacht fand die Fernsehdebatte zwischen den Vize-Präsidentschaftskandidaten Sarah Palin (R) und Joe Biden (D) statt. Die Befürchtungen oder Hoffnungen auf weitere “gaffes” von Palin - je nach parteipolitischem Lager - wurden dabei nicht bestätigt. Nach dreiwöchigem Crashkurs konnte sie ihre Statements wie auswendig gelernt herunterrattern. Kritische Momente umschiffte sie, indem sie die Fragen der Moderatorin Gwen Ifill glatt ignorierte:

And I may not answer the questions that either the moderator or you want to hear, but I’m going to talk straight to the American people and let them know my track record also.

Wie erwartet konnte sie also die an sie gestellten Erwartungen übertreffen. In einer landesweiten Blitzumfrage von CNN gaben 84 Prozent der befragten Zuschauer an, Palin habe besser abgeschnitten als man ihr zugetraut hätte. Zugleich sprachen 87 Prozent Palins faktensicherem Kontrahenten Joe Biden die nötige Qualifikation für das angestrebte Amt zu, doppelt so viel wie die Gouverneurin Alaskas von ihrer Befähigung überzeugen konnte. Nachdem zahlreiche Zweifel ob ihrer Qualifikation sogar im republikanischen Lager laut geworden waren, ist dies vielleicht die wichtigere Zahl. Insgesamt erklärten 51 Prozent der Befragten Biden zum Debattensieger, 36 Prozent sahen Palin im Vorteil.

Leider gibt die CNN-Umfrage keinerlei Auskunft darüber, wie die Reaktionen in den politischen Lagern und unter den Unabhängigen ausfielen. Eine Befragung von CBS unter 437 unentschlossenen Wählern** mag hier Aufschluss geben: Biden kürten 46 Prozent der Befragten zum Sieger; Palin konnte bei 21 Prozent der Zuschauer gewinnen. Unter denjenigen, die sich noch nicht fest entschieden haben, welchem Kandidaten sie am 4. November ihre Stimme geben werden, konnte sich der demokratische Vize-Kandidat also einen größeren Vorsprung verschaffen.

Sowohl Biden als auch Palin konnten sich in den Augen der Zuschauer verbessern. Nahezu alle Befragten hielten Biden im Anschluss an die Debatte für einen kompetenten Kandidaten. Palin konnte sich als eine Kandidatin präsentieren, die die Werte der Zuschauer teilt: Glaubten dies vor der Fernsehdebatte 58 Prozent der befragten Unentschlossenen, verbesserte sich dieser Anteil um 15 Prozentpunkte.

* Titel inspiriert durch palinbingo.com.
** Auf CBS.com heißt es, die Umfrage sei “among a nationwide random sample of 473 uncommitted voters - voters who don’t yet know who they will vote for, or who have chosen a candidate but may still change their minds - who have agreed to watch the debate” durchgeführt worden. Noch interessanter wären sicherlich Informationen über die Ansichten von Personen, die sich weder mit Demokraten noch Republikanern identifizieren.

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