Geheist

29.09.2008 | Kategorie: Es waren einmal die Medien..., Publikationen

Zahlen, Zahlen, Zahlen.

Im Juni und Juli habe ich ein Praktikum im Fachgebiet Mikrozensus des niedersächsischen Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie in Hannover absolviert. Zum Aufgabengebiet des Bereichs gehören neben dem Mikrozensus, der alljährlichen Befragung von etwa einem Prozent der Haushalte in Deutschland, auch weitere Haushaltsbefragungen. Dies sind insbesondere die Einkommens- und Verbraucherstichprobe (EVS) und die IKT, die landesweite Erhebung zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien.

Letztere habe ich während meines Praktikums ausgewertet. Über die Ergebnisse habe ich einen Artikel verfasst, der in den Statistischen Monatsheften Niedersachsen erschienen ist. (Das Heft gibt es hier zum Download.)

Da ich den Bericht nicht unbedingt für eine bahnbrechende Publikation hielt, wunderte es mich umso mehr, dass mich mein ehemaliger Chef beim Landesbetrieb anrief, als ich gerade zwecks Wohnungssuche auf dem Weg nach Mannheim war: Ein Radiosender wolle ein Interview mit mir führen, der Bericht sei auf großes Interesse gestoßen. Das Interview konnte ich leider nicht führen; gewundert hat mich dennoch das große Interesse an einem Artikel, der damit schließt, dass Niedersachsen - was die Internetnutzung betrifft - im Bundesdurchschnitt liegt. Ausgeprägte Nachrichtenfaktoren sehen anders aus.

Bis ich auf diese Meldung im Heise-Newsticker gestoßen bin: Jeder fünfte Nutzer in Niedersachsen ohne schnellen Internet-Zugang, dies ginge “aus einer jetzt veröffentlichten Untersuchung des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikation für das Jahr 2007 hervor.”

So weit, so gut. Tatsächlich haben 20 Prozent der Haushalte mit Internetanschluss keine DSL-Verbindung oder dergleichen, sondern zockeln mit Tempo 56/64 durch die verkehrsberuhigte ISDN-Zone.

In der Meldung heißt es:

Aber jeder fünfte dieser Haushalte musste noch immer auf eine schnelle Verbindung verzichten, weil der Wohnort nicht an das Breitbandnetz angeschlossen ist.

Nicht ganz. Die Studie hat gezeigt, dass unter denjenigen, die kein DSL haben, “ein nicht zu vernachlässigender Teil” (S. 487) auf eine schnelle Internetverbindung verzichten muss, weil an ihrem Wohnort kein DSL verfügbar ist. “[E]in nicht zu vernachlässigender Teil” ist hier eine bewusst gewählte Ungenauigkeit, da die Zahlenbasis dieser Aussage unter den von den Statistischen Ämtern vorgegebenen Minimalwerten liegt, so dass der exakte Wert nicht veröffentlicht werden darf. Aber da sind ja auch noch diejenigen, die keinen Bedarf für eine schnelle Leitung sehen oder die Kosten scheuen. Deren Anteil ist wesentlich höher.

Der Anteil derjenigen, die gezwungenermaßen auf DSL verzichten, ist dennoch nicht unerheblich, daher ist die Stoßrichtung der Heise-Meldung schon nicht verkehrt. In der Tat ist die DSL-Anbindung in Niedersachsen in bestimmten Landstrichen ein großes Problem. Es lohnt sich eben nicht für die Telekom, diese Gebiet zu erschließen. (Genausowenig wie sich Bahnstrecken lohnen werden, die nur von wenigen Passagieren genutzt werden. Aber das ist eine andere Geschichte. Mehr ab dem 27. Oktober.)

Zuletzt noch die Sache mit dem “Innovationsmotor“:

Original (S. 487):

Zum anderen ist die Durchdringung von IKT in Haushalten mit Kindern unter 16 Jahren größer als in Haushalten ohne Kinder. Dies kann vor allem mit zweierlei Dingen erklärt werden: Zum einen nutzt – wie später noch näher dargelegt werden wird – praktisch jedes Kind zwischen zehn und 15 Jahren in Niedersachsen unabhängig vom Ort der Nutzung zumindest gelegentlich
einen Computer. Man könnte Kinder im Haushalt also als eine Art „Innovationsmotor“ begreifen. Schwerer ins Gewicht fallen dürfte jedoch, dass unter die kinderlosen Haushalte vor allem auch Rentnerhaushalte fallen – die Gruppe mit der geringsten Durchdringung von IKT.

Bei heise wurde daraus:

Kinder im Haushalt sind der Studie zufolge “eine Art Innovationsmotor” für die Nutzung von Informationstechnologie. Haushalte mit Kindern im Alter von 10 bis 15 Jahren haben im Schnitt mehr Computer und Internet-Anschlüsse als Haushalte ohne Kinder.

Naja, egal.

2 Kommentare
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  1. Wie viel Internetanschlüsse solch ein Haushalt wohl haben mag? Schade, dass diese Zahlen wohl nie an das Licht der Öffentlichkeit geraten werden! ;-)

  2. Warte, ich geh nochmal rasch nachzählen. ;-)

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