Ich mache mir die (Daten-)Welt… wie sie mir gefällt

07.05.2009 | Kategorie: Dies und das

Die Bertelsmann-Stiftung hat gestern die Ergebnisse einer repräsentativen Studie unter dem Titel “Demokratie und Integration in Deutschland” veröffentlicht. Demnach halten zwar 77 Prozent der Befragten die Demokratie für die beste Staatsform - allerdings mit großen Unterschieden in Ost und West: 80 Prozent Unterstützung erfährt die Demokratie als Staatsform im Westen gegenüber 64 Prozent im Osten. Bei der Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland sieht das Bild jedoch schon anders aus: “Eher zufrieden” sind insgesamt 52 Prozent, 45 Prozent sind “eher unzufrieden”, wobei sich Ost- und Westdeutschland wiederum deutlich unterscheiden: Während sich im Westen 58 Prozent eher zufrieden äußern, sind dies im Osten der Republik bloß 42 Prozent.

Beunruhigender als diese Zahlen ist jedoch das, was die Bertelsmann-Stiftung aus den Ergebnissen einer Teilgruppe macht: “Besonders unzufrieden sind Menschen mit Migrationshin­tergrund”, heißt es da. Und man lässt Zahlen sprechen: Von den Personen mit Migrationshintergrund, die bis zu einem Drittel ihres Lebens bereits in Deutschland leben, sind - sage und schreibe - 76 Prozent eher zufrieden (sic!) mit der Demokratie in Deutschland, von denen, die bis zu zwei Drittel ihres Lebens in Deutschland verbracht haben, sind es bloß noch 66 Prozent.

Moment - 76 und 66 Prozent? Wenige Zeilen zuvor hieß es doch noch, dass ingesamt 52 Prozent mit der Demokratie in Deutschland zufrieden seien. “Aber die Leute, die mehr als ein Drittel ihres Lebens hier verbracht haben!”, schallt es da aus Gütersloh. Von denen sind bloß noch 48 Prozent zufrieden mit der Demokratie, weichen also bedrohliche vier (!) Prozentpunkte vom Durchschnitt in der Gesamtstichprobe ab. Dieser Befund war dem zuständigen Online-Redakteur von Spiegel Online gleich einen Beitrag mit dem Titel “Migranten in Deutschland von Demokratie enttäuscht” wert: “(…) vor allem Zuwanderer sind demnach enttäuscht von der Staatsform”. Von der Staatsform?

Da frage ich mich, was mit diesen veröffentlichten “Befunden” bezweckt werden soll. Leider weisen die Antworten auf eine andere Frage nicht ganz so spektakulär in die erhoffte Richtung wie die vermeintlich höhere Unzufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland unter Migranten: Immerhin 68 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund sind der Meinung, dass Ausländer zu wenig Eigeninitiative ergreifen, um sich zu integrieren.

“Ossischelte” scheint 20 Jahre nach der Wende aus der Mode gekommen zu sein…

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