Any news is good news?

11.06.2009 | Kategorie: Europawahl, Zahlen

“Koch-Mehrin die Web-Gewinnerin” heißt es im Blog des wahlradar09 - einer Website, die die Präsenz von Spitzenpolitikern und politischen Themen im WWW erfasst und visualisiert. Auf die Spitzenkandidatin der FDP bei der Europawahl 2009 seien 44 Prozent aller Beiträge über die Spitzenkandidaten der etablierten deutschen Parteien entfallen. Abgeschlagen dahinter Martin Schulz (SPD, 18,4 Prozent), Lothar Bisky (Linke, 11,7 Prozent), Hans-Gert Pöttering (CDU, 10,9 Prozent) sowie Reinhard Bütikofer und Rebecca Harms (Grüne, 9,7 bzw. 5,2 Prozent).

Also ein klarer Erfolg für die Kandidatin der FDP? Wenn man in letzter Zeit die Berichterstattung in Online-Medien und Blogs verfolgt hat, bekommt man jedoch den Eindruck, dass ein Großteil der Erwähnungen eher ungünstig für Koch-Mehrin waren.

Sucht man bei Google News - beschränkt auf den Zeitraum vom 1. Mai bis zum Tag der Europawahl, wie bei wahlradar09 geschehen - nach Online-Meldungen über Koch-Mehrin, findet man auf der nach Relevanz sortierten ersten Trefferseite insgesamt 197 Berichte (inklusive der verwandten Artikel), die sich dem “Fleißstreit um die FDP-Europaabgeordnete” (Spiegel Online) widmen. Die übrigen 65 Treffer verlinken auf Interviews mit Koch-Mehrin, Vorstellungen der Kandidatin und sonstige Berichterstattung.

In der Blogosphäre (gemessen an den ersten 50 Treffern von Google Blogsearch) sieht es ähnlich aus: Ganze neun der 50 relevantesten Treffer desselben Zeitraums beziehen sich nicht auf die Diskussion um Koch-Mehrins Anwesenheitsquote im Plenum, die laut Werner Langen (Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament) von ihrer Anwesenheit in den Ausschüssen sogar noch unterboten wird. Schon die Titel der gelisteten Blogbeiträge ergeben ein deutliches Bild.

Nähme man nur diese jeweils nach den Suchalgorithmen von Google relevantesten Ergebnisse zum - vermutlich nicht sehr validen - Maßstab, so wären ca. drei Viertel der Beiträge über Koch-Mehrin negativer Natur; Beiträge, die nicht im Sinne der FDP-Kandidatin wären.

Trotzdem: “Any news is good news”? Da fragt man sich eher, ob die “abgeschlagenen” Spitzenkandidaten der anderen Parteien sich nicht insgeheim freuen, dass sie in diesem Wettstreit ihrer Konkurrentin unterlegen sind.

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