Lowered Expectations: Palin vs. Biden

30.09.2008 | Kategorie: Fernsehdebatten

Der US-amerikanische Wahlkampf geht in die heiße Phase - Freitagabend (Ortszeit) wurde die erste Fernsehdebatte zwischen Senator Barack Obama und Senator John McCain ausgestrahlt. Zwei weitere Debatten zwischen den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und der Republikaner werden im Oktober folgen.

Sarah Palin und Joe Biden
Bildquellen: Wikimedia Commons

Daneben wird es am Donnerstag eine Fernsehdebatte zwischen den beiden “running mates” der Kandidaten geben. Die Aufmerksamkeit für das Aufeinandertreffen der Anwärter auf die Vize-Präsidentschaft könnte in diesem Wahlkampf kaum größer sein: Wurde die Nominierung von Gouverneurin Sarah Palin anfangs noch als “Coup” des republikanischen Lagers gefeiert, hat die Vize-Kandidaten inzwischen in mehreren Interviews und öffentlichen Auftritten Aussagen getroffen, die manche an ihrer Befähigung für das Stellvertreteramt zweifeln lassen. Wenn das Wahlkampfteam der Republikaner sie denn mal vor die Kamera ließ.

So forderte Palin angesichts der Finanzkrise in den USA, den Finanzsektor stärker zu regulieren, um im nächsten Satz das Ziel auszugeben, den Staat möglichst aus diesem herauszuziehen. Des Weiteren widersprach sie - wohl unwissentlich - der Position McCains gegenüber Pakistan und nannte die Tatsache, dass man von ihrer Heimat Alaska nach Russland blicken könnte, als ihre größte (und einzige) außenpolitische Qualifikation.

Selbst unter ausgewiesenen Unterstützern der Republikaner mehren sich seitdem Zweifel an der Nominierung Palins, insbesondere angesichts des hohen Alters McCains und des unklaren Gesundheitszustands des Kandidaten. Als Vize-Präsidentin übernähme sie im Todesfall des Präsidenten dessen Amt.

Aber auch Senator Joe Biden, den Obama zu seinem “running mate” gekürt hat und als erfahrener Außenpolitiker gilt, hat sich in den letzten Wochen einige Fauxpas’ geleistet. Zuletzt verlegte er die “Great Depression” von 1929 fälschlicherweise in die Amtszeit Franklin D. Roosevelts, der jedoch erst 1933 ins Amt kam.

Beiden bietet sich in der Fernsehdebatte am Donnerstag die Gelegenheit, die Zweifel auszuräumen und „to demonstrate the superiority of ones [sic] fitness for power over that of ones opponent“ (Coleman 2000: 5).

Pfau (1987) hat gezeigt, dass - positive wie negative - Verletzungen der Erwartungen an die Debattenperformanz der Kandidaten einen eigenständigen Einfluss auf die Einstellungen gegenüber den Kontrahenten ausüben kann. Dies heißt ganz konkret: Ein Kandidat, der im Vorfeld einer Fernsehdebatte als sicherer Sieger gehandelt wird, kann in der Einschätzung der Zuschauer nur verlieren, wenn er nicht so erfolgreich abschneidet wie erwartet. Gelingt es dagegen einem Kandidaten, an den nur geringe Erwartungen gestellt worden sind, sich in der Debatte - relativ betrachtet - zu bewähren, kann er von seinem Debattenauftritt profitieren.

Nun hat gerade Palin durch ihre wenigen Auftritt im Vorfeld der Vize-Präsidenten-Debatte die Messlatte für ihre Debattenleistung unbeabsichtigt(?) besonders niedrig gelegt. Die republikanischen Wahlkampfstrategen versuchen nun, auf zweierlei Wegen ihrer Vize-Kandidatin das Feld zu bereiten: Erstens wird die selbsternannte “hockey mom” wohl zurzeit einem Intensivkurs in Sachen “Foreign Policy” und “Economy” unterzogen, um ihr jenes politische Wissen zu vermitteln, das nicht durch den Blick über die Beringstraße erlangt werden kann. Zweitens wurde das Format der Vize-Präsidentschaftsdebatte im Vergleich zu den Aufeinandertreffen von McCain und Obama “entschärft” - die Möglichkeiten zum direkten Austausch zwischen den Kandidaten ist reduziert worden.

Für Biden wäre es zugleich aber nicht empfehlenswert, seine “einfache” Kontrahentin zu deutlich an die Wand zu drängen - dies könnte wiederum den Verdacht, Biden und Obama wären Vertreter einer abgehobenen Elite, wie von Seiten der Republikaner immer wieder unterstellt wird.

Literatur

Coleman, Stephen (2000): „Meaningful Political Debate in the Age of the Soundbite.“ In: Stephen Coleman (Hrsg.), Televised Election Debates. International Perspectives. London: Macmillan, 1-24.

Pfau, Michael (1987): „The Influence of Intraparty Political Debates on Candidate.“ Communication Research 14(6), 687-697.

1 Kommentar
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  1. [...] Wie erwartet konnte sie also die an sie gestellten Erwartungen übertreffen. In einer landesweiten Blitzumfrage von CNN gaben 84 Prozent der befragten Zuschauer an, Palin habe besser abgeschnitten als man ihr zugetraut hätte. Zugleich sprachen 87 Prozent Palins faktensicherem Kontrahenten Joe Biden die nötige Qualifikation für das angestrebte Amt zu, doppelt so viel wie die Gouverneurin Alaskas von ihrer Befähigung überzeugen konnte. Nachdem zahlreiche Zweifel ob ihrer Qualifikation sogar im republikanischen Lager laut geworden waren, ist dies vielleicht die wichtigere Zahl. Insgesamt erklärten 51 Prozent der Befragten Biden zum Debattensieger, 36 Prozent sahen Palin im Vorteil. [...]

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