Piratenwähler, Teil II

24.09.2009 | Kategorie: BTW09, Forschung, Piratenpartei

Im vergangenen Posting bin ich auf Grundlage von Zwischenergebnissen der Online-Umfrage wahlumfrage2009.de [Psst: Wir suchen weiterhin Teilnehmer ;-)] der Frage nachgegangen, wer die Wähler der Piratenpartei sind: Die (potentielle) Wählerschaft der Piraten setzt sich demnach vor allem aus jungen, internetaffinen Männern zusammen. Beim Versuch, den Bundestag zu entern, sind Frauen dagegen nur vereinzelt an Bord. Auch ältere Wähler, für die das Internet vermutlich keine zentrale Rolle spielt, ziehen die Wahl der Piratenpartei kaum in Erwägung.

Woher kommen die Wähler der Piraten? Welche Partei(en) haben sie gewählt, bevor es die Piratenpartei gab? Diese wurde schließlich erst im September 2006 gegründet und tritt daher in diesem Jahr zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl an.

In der wahlumfrage2009.de bitten wir die Befragten, anzugehen, welche Partei sie bei der Bundestagswahl 2005 gewählt haben. Diese sogenannte Recall-Frage ist ein etabliertes, allerdings auch oft kritisiertes Instrument der Wahlforschung. Kritisiert deswegen, da Befragte auf Grund von Erinnerungsverzerrungen nicht die Partei nennen (können), die sie tatsächlich gewählt haben. Entweder weil sie dazu neigen, die damalige Stimmabgabe an aktuelle Präferenzen anzupassen, um konsistent zu bleiben. Oder sich - weil eben “das Leben, nicht die Politik [...] wichtig [ist]” (van Deth 2000) - nach mehreren Jahren nicht mehr recht daran erinnern können, welcher Partei sie ihre Stimme gegeben haben. Allerdings gibt es zumindest für die Wähler der Piratenpartei nicht die Gelegenheit, ihre damalige Stimmabgabe mit ihrer aktuellen Parteipräferenz abzugleichen.

Die Abbildung zeigt, dass sich die Wähler der Piratenpartei 2009 in der wahlumfrage2009.de insbesondere aus drei Gruppen rekrutieren:

Piratenrecall

Die Piratenwähler in der - nicht-repräsentativen - wahlumfrage2009.de haben nach eigenen Angaben bei der Bundestagswahl 2005 zu einem großen Teil die Grünen oder die SPD gewählt. Auch von der FDP scheinen einige zu den Piraten übergelaufen zu sein. Auffällig ist die Zahl von Befragten, die angeben, bei der letzten Bundestagswahl der Wahlurne fern geblieben zu sein. Dies sind in der wahlumfrage2009.de immerhin 15 Prozent.

Die Umfrageergebnisse zeigen überdies, dass die Piratenwähler die SPD deutlich schlechter bewerten als die übrigen Wähler (SPD-Wähler hier ausgeschlossen). Ob dies am vermeintlich gescheiterten Internetwahlkampf der SPD liegt oder an der Zustimmung zum sogenannten Zugangserschwerungsgesetz, wäre eine interessante Frage.

3 Kommentare
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  1. [...] Bundestagswahl III: Piratenwähler…Keine Experimente [...]

  2. Die PiratenPartei aktiviert also auch Nichtwähler….das finde ich wirklich gut !!!

  3. Scheint wohl zu stimmen, ich hätte sonst auch wieder die Grünen gewählt.
    Doch diesmal ging meine Stimme zu den Piraten :)

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